Studienumsteiger Juni 2014

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Im Tischlerbetrieb von Ulrich Brand (v.l.) ist Niklas Wöste Auszubildender. Harald Hüsers von der Kreishandwerkerschaft weist auf die Optionen hin, die Studienumsteiger bei einer Ausbildung im Handwerk haben. (Foto: Tim Gallandi)

Niklas Wöste hat den Hörsaal gegen die Tischlereiwerkstatt eingetauscht. Nicht nur vorübergehend als Praktikant, wie es auch andere Architekturstudenten machen, sondern dauerhaft. Der 23-jährige Meppener hat einen Weg eingeschlagen, der für die Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd beispielhaft ist: Sie möchte Studienabbrecher ins Handwerk losten.

Das Studium der Architekur, das Wöste 2010 nach dem Abitur am Windthorst-Gymnasium Meppen begann, entsprach nicht seinen Erwartungen: An der Technischen Uni in Braunschweig dominierte die Theorie-"das Praktische hat mir gefehlt", sagt der junge Emsländer. Trotzdem blieb er zunächst am Ball, strebte allerdings im vergangenen Jahr einen Wechsel zur Fachhochschule Oldenburg an, in der Hoffnung, dort einen stärkeren Praxisbezug zu finden.

Zunächst aber stand das obligatorische Praktikum an, das Wöste von April bis Ende Juni 2013 bei der Tischlerei Ulrich Brand in Meppen-Nödike absolvierte. Die Arbeit machte ihm so viel Spaß, dass er den Firmeninhaber fragte, ob er dort nicht eine Tischlerausbildung machen könnte. Eine Bewerbung, die Ulrich Brand nach eigenen Worten gerne annahm.

Wöstes Ausbildungsalltag besteht nun jede Woche aus vier Tagen Arbeit im Betrieb und einen Tag in der Berufsschule. Er mag das Arbeiten mit dem Holz und den Kontakt zu den Kunden. Und sagt: "Man sieht am Ende des Tages, dass man etwas geschafft hat." Auch beruflich sieht er für sich als Tischler bessere Perspektiven.

Da er direkt ins zweite Ausbildungsjahr eingestiegen ist, musste er einige überbetriebliche Kurse nachholen, etwa Oberflächen- und Maschinenlehrgänge. Denn seine Lehre dauert insgesamt nur zwei, statt der üblichen drei Jahre, da das Abitur angerechnet wird.

Dies ist jedoch nur eine von mehreren Optionen, die sich Wöste und anderen jungen Leuten mit ähnlichem Werdegang bieten, wie Harald Hüsers, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd, erklärt. Die Studienabbrecher-Hüsers nennt sie "Studienumsteiger"-können sich teils schon während der Ausbildung auf die Meisterprüfung vorbereiten. Früher hingegen mussten die Meisteranwärter mindestens 24 Jahre alt und drei Jahre Geselle sein. Auch sei das Lohnniveau eines Handwerksmeisters heute höher als das vieler Akademiker, so Hüters.

Ihre Initiative "Zukunft regionales Handwerk" will die Kreishandwerkerschaft 2015 für Studienabbrecher/-umsteiger erweitern. "30 Prozent der Studenten brechen ihr Studium ab", sagte der Geschäftsführer. Hier ließe sich Nachwuchs fürs Handwerk generieren. "Das kann aber nur eine Facette zur Lösung des Fachkräftemangels sein, nicht die alleinige Lösung".

Theoretisch sei es für ehemalige Studenten im Handwerk möglich, schon nach drei Jahren den Meisterbrief in der Tasche zu haben. Meister zu werden ist auch für Wöste, der den ersten Teil der Gesellenprüfung bereits bestanden hat, eine Option. Vielleicht aber zieht es ihn nach der Lehre doch wieder zur Hochschule - dann, um Holztechnik zu studien.

(Bericht Meppener Tagespost, Kreis Emsland, 26.06.2014. Text und Foto Tim Gallandi)